Hintergrund

„Eine Fotografie ist weder Fakt noch Fabel. Doch sie ist gewiss mehr dem Fabelhaften zuzurechnen, der Fiktion der Fiktion. Fotografie wäre dann die Lüge, die eine Wahrheit erzählt.“

Daniele Muscionico


Wie kommen die Fotografien zu mir oder ich zu ihnen?

Im ersten Fall schlendere ich beispielsweise durch Straßen, laufe am Strand oder gehe mit dem Hund spazieren und plötzlich bekomme ich ein „Foto geschenkt“. Es kann das Lächeln einer Frau, eine bizarre Situation, ein besonderes Gebäude, eine bemerkenswerte Pflanze oder irgend etwas sein, das meine Aufmerksamkeit erregt und fotografiert wird. Zumindest gibt es nun ein Foto, ob daraus ein Bild wird, ist eine ganz andere Frage und dies zeigt sich häufig erst nach einigen Jahren.
Im zweiten Fall habe ich eine Bildidee, die ich dann inszeniere oder gezielt danach suche. Dazu gehören auch bestimmte Projekte, die ich oft einen längeren Zeitraum beanspruchen. Beispielsweise das Projekt mit Handwerkerinnen: Leisten, Silber, Filz und Tuch.

Ach ja, die Technik. Ich werde oft gefragt, ob ich analog oder digital fotografiere. Die Antwort ist beides, wobei analog in meinem Fall die Verwendung von Diafilmen bedeutet, da ich Dias früher in meinen Vorlesungen und Vorträgen sehr häufig eingesetzt habe. Die Zeiten haben sich geändert und mittlerweile wurden die Dias gescannt und liegen somit auch digital vor.
Ob ich meine Fotos bearbeite? Ja, wenn nötig, wird der Kontrast erhöht, unscharf maskiert, die Klarheit verändert oder der Tonwert korrigiert. Im konkreten Fall wandle ich Farbfotos auch mit einem speziellen Programm in SW-Fotos um, wie beispielsweise die Unterwasseraufnahmen in UNENDLICH LEBENDIG. Ich lasse häufig auch zwei Bilder in einer Tafel miteinander in „Dialog“ treten. Dies wurde in UNENDLICH LEBENDIG mit den beiden gegenüberliegenden Seiten realisiert.
Ich arbeite auch mit der „Sandwichtechnik“. Dazu werden wie in MEN´S BLOOD IN MY VEINS zwei Fotos übereinander gelegt und so ein neues Bild geschaffen.

Aber die wichtigere Frage als die nach der Technik, ist nach meinem fotografischen Verständnis, die Frage, ob das präsentierte Bild funktioniert!

Bei Fragen zu meinen „fotografischen Fiktionen“, scheuen Sie sich bitte nicht diese zu stellen. Ich werde sicher antworten; versprochen!

SEHNSUCHTSORT meer

In diesem Buch zeige ich „schöne“ Bilder, in denen der Mensch, wenn überhaupt, nur indirekt oder als Punkt in der Landschaft vorkommt. Ich habe das deutsche Wort „Sehnsuchtsort“ als Titel gewählt, da das Meer nach wie vor für viele Menschen ein Sehnsuchtsort ist und hoffentlich bleiben wird.

Die gilt auch für mich, obwohl ich weiß, dass für Tausende von Flüchtlingen „mare nostrum“ eine Todesfalle ist, dass „climate change“ für viele Küstenbewohner zum Verlust ihrer Heimat führen wird und, dass wir Menschen in einer erschreckenden Weise das Meer ausplündern und als Müllkippe missbrauchen. (Gedicht: Erich Fried, Haiku: Gabriele Seitz)

Ausgewählte Bilder, in ihrer Reihenfolge:

Red Point Beach, Atlantik, Schottland (Titelbild)

Kap der Guten Hoffnung, Atlantik, Südafrika

Düne, St. Peter-Ording, Nordsee, Deutschland

Fähre Amsterdam – Newcastle, Nordsee, abends

Spiekeroog, Nordsee, Deutschland

Korfu, Mittelmeer, Griechenland

Spiekeroog, Nordsee, Deutschland

Singing Kettle Beach, Indischer Ozean, Südafrika

Copacabana, Atlantik, Brasilien

Tofino, Pazifik, Kanada

Fernando de Noronha, Atlantik, Brasilien

The Minch, Atlantik, Schottland

Annex Arch Rock P.N.R., Indischer Ozean, Südafrika

Witsand Beach, Atlantik, Südafrika

Insel RØmØ, Nordsee, Dänemark

Prerow, Ostsee, Deutschland

UNENDLICH LEBENDIG

Das Meer war und ist für mich immer viel mehr als die Summe von einzelnen Fakten, so wie ich sie in meinen Vorlesungen vermittelt habe. Es sind auch Mythen, Geschichten, Bilder und viele nachhaltige Eindrücke zur Schönheit, aber auch zu seiner Gefährdung. „SONGS OF THE SEA – POESIE DES MEERES“, „MEER, MÄR UND MEER“, „MIT DEN MEEREN LEBEN“, „MEERESBLAU, DAS EIN BLAU“, „STRANDGUT – MEER SCHLECHT“ und „SAD SONGS – SOS – SAVE OUR SEA“ sind einige ausgewählte Kapitel in dem Buch. (Textbeiträge: Manfred Goldbeck und Dr. Almut Weinland)

Aus diesen Kapiteln habe ich einige Tafeln ausgewählt, in ihrer Reihenfolge:

Büsum, Nordsee (Titelbild)

Hornkoralle, Mittelmeer – Prachtkoralle, Andamanensee

Drachenkopf – Diadem-Seeigel, Indischer Ozean

Rochen, Indischer Ozean – Grundeln, Mittelmeer

Spiegeleiqualle – Badebucht, Mittelmeer (Kurz danach gab es „Quallenalarm“ und hunderte völlig harmlose Quallen landeten in der Mülltonne; die Unwissenheit vieler Menschen ist manchmal nur sehr schwer zu ertragen!)

Saumriff – Korallenriff, Feldwebelfische, Rotes Meer

Napfschnecken, Mittelmeer – Flache Napfschnecke, Seepocken, Atlantik

Seehunde, Nordsee – Sonnenbad, Mittelmeer

Nordwyk aan Zee, Nordsee

Jammerbucht, Nordsee

Rotes Meer – Mittelmeer

An Bord der Postira, Dubrovnic – Sudurac

Hafen von Piräus – Was bleibt; überall auf der Welt

Hamburger Hafen

„Balling, Auster, Nordsee – Fouling, Fischerboot (Die Behandlung der Boote mit TBT gegen das Fouling verursachte gravierende hormonelle Veränderungen an Meeeresschnecken und -muscheln. Mittlerweile ist die Substanz verboten; ein großer Erfolg der ökotoxikologischen Forschung und der Umweltpolitik.)

Venusgürtel, Atlantik – „Anglerfisch“, Mittelmeer („Melanocetus plastici“, man könnte schmunzeln, wenn die globale Verschmutzung der Meere mit Plastik nicht so unendlich beschämend und traurig wäre!)

ZWEI UND SO VIEL MEHR

ZWEI, so unscheinbar und unbeachtet wie sie erscheint neben den magischen Zahlen DREI, SIEBEN oder ZWÖLF, steht am Anfang und im Mittelpunkt unseres Lebens. ZWEI müssen sich finden, um EINS zu werden, das durch ZWEIteilung groß wird.

Bildpaare haben mich sehr beschäftigt und so war es nur konsequent in meinen Bildern nach Paaren zu suchen. Ich fand Pflanzen, Tiere, Menschen und Strukturen. In diesem Buch habe ich mich im Wesentlichen auf den Menschen beschränkt und ich hoffe, dass jedes Bild eine kleine Geschichte zum Thema: „ZWEI UND SO VIEL MEHR“ erzählt. (Prolog und Textbeitrag: Adina Rieckmann)

MEN´S BLOOD IN MY VEINS

ist eine Sammlung von fotografischen Arbeiten, die möglichweise irritieren und sich erst auf den zweiten Blick erschließen. Schauen fühlen, sinnlich spielen, zum Träumen verführen…

Sie sind mit der digitalen „Sandwichmethode“ entstanden, in der zwei Fotos (Ebenen) über einander gelegt werden. Es wurden Fotos von Strukturen der belebten und unbelebten Natur, von Straßenszenen und Gemälden usw. zu Grunde gelegt. Der zweite Teil besteht aus Fotografien von Mädchen, Frauen, Händen, Portraits, Brüsten oder Körper, die in einen Dialog mit der anderen „Ebene“ treten.

Die Fotografiken zeigen einen männlichen Blick auf „Das Weibliche“; Faszinosum und Mysterium gleichermaßen. (Vorwort: Karin Weber)

MENSCH UND UMWELT

„MENSCH UND UMWELT – ohne Menschen“ ist das Thema dieses Zyklus. Manche Bilder erschließen sich sofort, bei anderen muss man etwas genauer hinschauen und für andere gilt: „Man sieht nur das, was man weiß“. Für alle gilt jedoch, sie haben lokale oder globale Umweltprobleme zum Inhalt.

Jedes Bild im Detail zu erklären, Ursachen zu benennen oder Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen, würde dieses Format sprengen. Daher nur ein paar exemplarische Anmerkungen:

Müll in der Landschaft, findet man in den entlegensten Ecken dieser Erde und Plastikmüll in den Weltmeeren ist ein riesiges, globales Umweltproblem.

Bizarre Wolken über Chemnitz, Brandrodung in Malaysia, Flugzeugabgase über Hessen oder Abgase von Schiffen haben unterschiedliche Ursachen und tragen mit ganz verschiedenen Konsequenzen zur Umweltbelastung bei.

Selbst ein auf den ersten Blick verträumt romantisches Bild wie der „Entengrützensee“ ist das Ergebnis einer lokalen Umweltbelastung. Durch Überdüngung oder Abwässer gelangen zu viele Nährstoffe in das Gewässer und die Wasserlinse bildet an der Wasseroberfläche eine geschlossene Decke. Das Ergebnis ist ein Gewässer ohne Licht und mit sehr geringen Sauerstoffgehalt; ein Lebensraum nur noch für wenige Organismen.

GENUSS

 „Die Köstliche von Charneux, Arabica, Criollo und Riesling“ ist die Langfassung des Titels. Ich habe die Herstellung von Birnenbrand, Kaffee, Schokolade und Wein von der Frucht bis zum Produkt begleitet. Eine Auswahl der Bilder zeige ich hier. Da am Ende die männlichen Produzenten genießen, dürfen, von einem Mann präsentiert, die Produkte von vier „Frauen“ genossen werden.

BAHNFAHRT

Als gelerntem Eisenbahner fiel es mir nicht schwer zwei Jahre mit der Bahn kreuz und quer durch Deutschland zu fahren. Dabei sind mit der „Camera obscura“ und einer „normalen“ Kamera viele Bilder entstanden, von denen hier nur eine kleine Auswahl gezeigt werden.

 LEISTEN, SILBER, FILZ UND TUCH

zeigt Momentaufnahmen aus der Herstellung von Schuhen, eines Schmuckstückes, eines Hutes und eines Anzuges. Man besonderes Augenmerk galt dem „Handwerklichen“. Die ausgewählten Bilder aus der Produktion, wurden ergänzt durch „Stillleben“ aus den Ateliers.

BRONZE

 Am Anfang steht eine Idee, dann entstehen ein kleines Modell und „Schnittzeichnungen“ und danach beginnt die Arbeit am „Holz“. Nach vielen Arbeitsschritten im Atelier und in der Gießerei steht dann eine Bronzeskulptur im Park, im Garten oder auf dem Weinkeller.

 

Danke!

Für „Leisten, Silber, Filz und Tuch“ danke ich den kunstfertigen Handwerkerinnen Oder, Hofmann, Peevski und Künzel. Danke für BRONZE an die Bildhauerin Chodakowska. Danke an die „GENUSS-Künstler“: Pattis, Pisek, Schenk, Schürer und Zimmerling. Last but not least dank den vielen Menschen, die mir ein Bild „geschenkt“ haben und danke für die vielen tollen Momente, die mir die Fotografie geschenkt hat.